Der Literaturtreff mit unserer Ehrenamtlichen, Frau Schärfe, ist jeden Monat ein Highlight. Und wieder einmal ist es der pensionierten Buchhändlerin und Literaturliebhaberin gelungen, ihre Zuhörer*innen in den Bann zu ziehen. Diesmal hat sie die eindrucksvolle, von vielen Entbehrungen und harten Rückschlägen gezeichnete Lebensgeschichte der Alfonsina Strada mitgebracht, ein Buch von Simona Baldelli. Als einzige Frau trat Strada den Giro d’Italia, ein in den 1920iger Jahren berühmtes Radrennen in Italien. Zur damaligen Zeit eine fast nicht zu bewältigende Herausforderung: 3600 km, 12 Etappen zwischen 200 – 400 km pro Tag. Von den 109 sind nur 30 Teilnehmer angekommen, darunter auch Alfonsina als Viertletzte, gezeichnet von zahlreichen Stürzen und Verletzungen.
Beeindruckt waren alle über den unermüdlichen Willen Alfonsinas, ihren Traum zu leben, aus den kargen, ärmlichen Verhältnissen ihrer Familie auszubrechen. Trotzdem ihre Eltern es ihr nie verziehen haben, sich so „unschicklich als Mädchen zu verhalten“ und ihr jedwede Anerkennung oder Wertschätzung vorenthielten, verfolgte sie ihren Weg: Radfahren, Rennen fahren, frei sein.
In Italien erwirbt sie sich große Anerkennung und Berühmtheit. Sie wird als „Königin der Tretkurbel“ gefeiert und erfährt zahlreiche Unterstützung, um an Rennen teilzunehmen und damit Geld zu verdienen. Obwohl ihre Eltern so wenig hinter ihr stehen, unterstützt sie diese finanziell und kümmert sich fast bis zur Selbstaufgabe um ihren psychisch erkrankten Mann bis zu dessen Tod. Sie teilt selbstverständlich die kargen Früchte ihres Lebens – was für eine beeindruckende Frau!